28.05.2020

„Ich möchte ja nicht einrosten!“

Erst seit September des vergangenen Jahres ist Gioia Märzhäuser Adlerträgerin. Trotz sportlicher Umstände lebte sich die 16-Jähige hervorragend in der Eintracht-Familie ein. Doch dann kam Corona.

Noch ist Geduld gefragt: Adlerträgerin Gioia Märzhäuser bereitet sich mit Trockenübungen auf eine Rückkehr ins Training vor.

Gerade als die talentierte Fechterin so richtig Fuß fasste, machte ihr die Coronakrise vorerst einen Strich durch die Rechnung. Doch Gioia weiß die Zeit durchaus sinnvoll zu nutzen und wandelt die Sehnsucht, hoffentlich bald wieder auf der Planche zu stehen, einfach in Selbstmotivation um.

Kaum war sie da, fühlte sie sich schon pudelwohl. Nachdem sich ihre Eltern im März 2019 berufsbedingt in Frankfurt ansiedelten, folgte Gioia Märzhäuser ihnen rund ein halbes später. Der Wechsel vom Fechtinternat Bonn zur Eintracht war im wahrsten Sinne des Wortes kein kleiner Schritt, denn: Neben dem Kennenlernen des neuen Vereins und der Leute musste sie sich an eine neue Waffe gewöhnen. „Da bei der Eintracht nur Degen gefochten wird, ich aber Florettfechterin war, musste ich mir das Degenfechten antrainieren. Es klappt zwar mittlerweile ganz gut, aber in dem Lernprozess befinde ich mich immer noch“, lacht das Fechttalent und ergänzt: „Die Umstellung ist größer als erwartet. Degenfechten ist langsamer und mehr von Taktik geprägt.“ Für die Eintracht entschied sie sich einerseits, weil ihr das umfangreiche Angebot zusagte. „Andererseits habe ich mich von der ersten Sekunde an wohl gefühlt. Ich wurde herzlich empfangen und mir wurde schnell klar, dass hier der Begriff „Eintracht-Familie“ gelebt wird“, sagt Gioia.

Die dreimonatige Pause, die ein Vereinswechsel nach sich zieht, kam ihr gelegen, um sich an die neue Waffe zu gewöhnen. Nachdem das gut gelang, nahm die Adlerträgerin auch wieder an Turnieren und Lehrgängen teil. Erst in Heidenheim, eine Woche später in Bonn – zumindest war so der Plan. „In der Trainingswoche nach dem Lehrgang in Heidenheim wurde quasi die Handbremse gezogen“, so Gioia, die sich noch gut zurückerinnert: „Auch wenn es sich allmählich abgezeichnet hatte, kam es doch so plötzlich. Als wir uns nach dem letzten Training verabschiedeten, ahnten wir nicht, dass wir uns nun erstmal eine Zeit lang nicht sehen können.“ In der Corona-Anfangszeit sei es für die Schülerin des Goethe-Gymnasiums zwar undenkbar gewesen, dass es einmal zu solchen Einschränkungen kommen würde, doch gab es einen Zeitpunkt, in dem sie das Ausmaß realisierte: „Spätestens, als das Virus in Italien schreckliche Zustände anrichtete, dachte ich mir schon, dass auch wir in Deutschland drastische Konsequenzen ziehen werden.“

Beinarbeit und büffeln zu Hause

Und bekanntermaßen kam es auch so. Erst wurde der Sport stillgelegt, wenig später schlossen auch die Schulen. Und genau aus diesen beiden Komponenten setzte sich der Großteil einer geregelten Woche im Leben von Gioia zusammen. Nun also Langeweile und Nichtstun? „Nein“, widerspricht die junge Athletin lachend. „Ich möchte ja nicht einrosten!“ So gehe sie nach dem Aufstehen oft laufen oder absolviere Workouts. „Ich mache auch fechtspezifische Übungen, zum Beispiel Stoßübungen mit meinem Degen oder trainiere meine Beinarbeit.“ Auch wenn sich Gioia aktuell nicht mit einer Gegnerin bzw. einem Gegner auf der Planche im direkten Kampf messen kann, versucht sie dennoch, so akribisch wie möglich zu trainieren. „Die Beinarbeit zu verbessern ist eigentlich sehr trockenes Training, oft fehlt hierfür die Lust“, so die Eintrachtlerin, die sich dank einer bestimmten Denkweise aber trotzdem motivieren kann: „Aber ich weiß auch, dass mir diese Arbeit sehr viel bringen wird, wenn ich wieder auf der Bahn stehe. Darauf arbeite ich hin.“

Auch die Schule kommt – nach anfänglichen Schwierigkeiten – nicht zu kurz. Anfangs sei es etwas chaotisch gewesen, weil keiner so wirklich auf ein solches Szenario vorbereitet war. „Aber seit der Woche vor den Osterferien und insbesondere jetzt nach den Ferien läuft alles sehr gut und geregelt“, sagt die 16-Jährige. Über die Plattform Microsoft Teams können Aufgaben erledigt, hochgeladen und korrigiert werden. Lange müssen die Schülerinnen und Schüler aber nicht mehr von zu Hause aus pauken – voraussichtlich. Schrittweise soll eine Rückführung in die Klassenräume erfolgen. Bei ihr sei der 18. Mai angedacht, sagt sie, wobei das noch nicht final geklärt sei. Ohnehin sehnt sich die Adlerträgerin mehr nach einer Rückkehr in die Sporthalle als in den Klassensaal.

„Das Fechten fehlt mir einfach am meisten und daran hat nicht nur die Sportart, sondern auch die Eintracht einen erheblichen Anteil“, so Gioia, die sich eine ganz bestimmte Szene immer vor Augen führt: „Als ich noch recht neu im Verein war und bei einem Turnier auf der Planche stand, versammelte sich plötzlich das gesamte Team hinter mir und feuerte mich an. Das war unglaublich. Unseren Zusammenhalt vermisse ich aktuell sehr.“ Wann genau sie ihrer Leidenschaft wieder nachgehen kann, ist noch ungewiss. Bis das feststeht, muss sich Gioia noch gedulden und sich mit der einen oder anderen Beinarbeit-Trockenübung herumplagen. Aber schließlich weiß sie ja auch, wofür sie das macht.

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